Fünf Wochen Khiraule und eine völlig andere Sicht auf das Leben

Bereicht zweier Studentinnen über ihre mehrwöchige freiwillige Tätigkeit vor Ort im Rahmen eines Gap Year.

Nach dem Schulabschluss treibt es viele Abenteurer in die große weite Welt. Sie nutzen die neuerworbene Freiheit um vollkommen bedingungslos loszuziehen und nicht nur ferne Länder und fremde Kulturen zu entdecken, sondern auch um sich selbst besser kennenzulernen und herauszufinden in welcher Richtung es anschließend weitergehen soll. Für viele ist es das erste Mal, dass sie allein zurechtkommen müssen, das fördert natürlich die Selbstständigkeit, aber auch das Selbstbewusstsein und sprachliche, sowie empathische Fähigkeiten.

 

Ein sogenanntes Gap Year ermöglicht einem fremde Lebensweisen auf eine solch intensive und echte Art zu erleben, wie man sie als Urlauber kaum haben kann. Insbesondere wenn man über längere Zeit bei und mit den Locals lebt und ihren ganz persönlichen Alltag kennenlernt, beginnt man sein eigenes Leben aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten.


Paula und Ich hatten den Plan, wie so viele, nach dem Abitur zu reisen. Einerseits um neue exotische Länder und wundersame Orte kennen zu lernen, andererseits wollten wir uns sozial engagieren und dort helfen, wo wir wirklich von Nutzen sein könnten. Nepal stand wegen meiner Vorliebe zu den Bergen schon immer ganz weit oben auf meiner Liste. Durch einen Zufall geriet ich an Namgel Sherpa, den Vorsitzenden der „Aktion Solukhumbu Nepalhilfe e.V.“. Gemeinsam organisierten wir einen fünfwöchigen Besuch in seinem Geburtsort Khiraule, einem kleinen nepalesischen Dorf mitten in den Bergen des Himalayas. Wir wollten die Schule direkt vor Ort unterstützten und das Leben der Sherpas kennenlernen. Pemba Sherpa, ein Cousin Namgels, und seine Familie nahmen uns sehr herzlich auf und unterstützten uns vor Ort.

 

Bereits die 4 tägige Anreise - 12 Stunden Jeep-Fahrt und anschließend eine Drei-Tages- Wanderung - versprach uns ein großes Abenteuer. Wir wurden, als die ersten Freiwilligen in einem Dorf, in das nur ab und zu ein paar Wanderer kommen, unglaublich freundlich und mit offenen Armen aufgenommen und waren sofort Teil der Gemeinschaft. Zu der Zeit, in der wir in Khiraule lebten, gab es kaum Elektrizität, fließend Wasser nur bedingt und es wurde in den meisten Haushalten über einer offenen Feuerstelle im Haus gekocht. Für uns eine ganz neue, großartige Erfahrung und eine Lebensweise, die für uns völlig neu und aufregend war. Da zu der Zeit, als wir dort waren, Schulferien herrschten, organisierten wir unseren Unterricht im Namen des Jugend Clubs, mit den Materialien, die uns dort zur Verfügung standen, selbst. Jeden Tag für je anderthalb Stunden haben wir drei Gruppen mit unterschiedlichen Englischkenntnissen geleitet. Und obwohl die Kinder natürlich eigentlich keine Schule hatten, kamen sie freiwillig jeden Tag zu uns in den Unterricht. Dieser ist an den nepalesischen Schulen meist sehr frontal ausgerichtet. Daher haben wir versucht mit viel Interaktion den Unterricht zu leiten, sodass den Kindern vor allem die Angst vor dem Sprechen genommen wird. Englisch ist für viele Einheimische der Schlüssel zum Geldverdienen, da der Tourismus einen großen Teil der Wirtschaft ausmacht. Mit Englischkenntnissen hat man dementsprechend bessere Möglichkeiten, sei es als Guide tätig zu werden oder als Lehrer zu unterrichten. In den zwei Abendkursen die wir veranstalteten, haben wir außerdem den älteren Bewohnern des Dorfes, die bis dato meist keinerlei Englischkenntnisse hatten die grundlegendsten Vokabeln vermittelt, so dass wir gegen Ende unseres Aufenthaltes uns dort ein klein bisschen unterhalten konnten. Eine weitere Gruppe bildeten Studenten aus Kathmandu, die ihren Familien über die Ferien aushalfen. Sie hatten bereits tolle Englischkenntnisse. Dieser Kurs war besonders schön, da wir uns mit Gleichaltrigen, die unter komplett anderen Umständen austauschen konnten wodurch auch wir unglaublich viel gelernt haben. Natürlich war es schön, die Fortschritte mitzuerleben aber viel mehr war das tägliche Zusammenkommen eine wunderbare Erfahrung.

 

In einem Dorf mit knapp 300 Einwohnern könnte man dies fast als Gemeindetreffen bezeichnen, denn es war viel mehr als stumpfer Englisch Unterricht, was uns extrem wichtig war. Mit unserer Ukulele haben wir viel gemeinsam gesungen. Es wurde getanzt. Einmal Wiener-Walzer und dann wurde uns der traditionelle Sherpa Tanz beigebracht. Wir wurden so herzlich in das gemeinschaftliche Leben in dem kleinen Bergdorf aufgenommen. Auf unseren täglichen Spaziergängen wurden wir überall zum Tee eingeladen. Meistens wurden wir dann anschließend noch zum Essen eingeladen und das lässt man sich selbstverständlich nicht entgehen. Nirgends sonst auf unserer Reise wurden wir so gut umsorgt und verhätschelt.

 

Neben den täglichen Unterrichtseinheiten haben wir jede Chance genutzt um den Bewohnern so gut es uns möglich war bei den täglichen Arbeiten zu helfen. Natürlich sind wir nicht so geschickt mit der Sense, im Auslesen von Bohnen und Getreide oder im Stapeln von Mais aber für uns war es eine tolle Herausforderung und unsere Freunde dort hatten Spaß uns zuzusehen.

 

Inzwischen konnten in Khiraule eine Reihe von Gewächshäusern gebaut werden, was erst die vielen Spender ermöglicht haben. Dies ermöglicht es den Bewohnern Blumenkohl, Tomaten, etc. anzubauen und zu verkaufen. Geplant ist außerdem die Elektrizität nach Khiraule zu bringen und rauchfreie Öfen für die Bewohner zu bauen, um ihnen das Leben etwas zu erleichtern und ihre Gesundheit zu erhalten. Diese Projekte könne jedoch nur mit weiteren großzügigen Spenden und hoffentlich noch mehr Tatkraft vor Ort umgesetzt werden.

 

Wir denken mit viel Freude an unsere Zeit in Khiraule zurück und erinnern uns gerne an die Erfahrungen die wir dort gemacht haben. Ganz besonders beeindruckt haben uns die Menschen und ihre stets positive Einstellung dem Leben gegenüber.